Karen Test 01

In diesem Artikel geht es um die neue Zahnpasta von Dr. Wolff, welche mit ihrer Werbekampagne gleich für großes Aufsehen gesorgt hat – der Karex Zahncreme* mit Hydroxylapatit.

Hier gehts direkt zu den Inhaltsstoffen.
Hier gehts direkt zum Fazit.
Hier gehts direkt zum Preischeck*.

 

Worum geht’s? > Marke/Geschichte

Die Karex Zahncreme ist das neueste Produkt der Dr. Wolff-Gruppe. Das Unternehmen wurde bereits 1905 vom Apotheker August Wolff in Bielefeld gegründet, dort hat die Firma noch heute ihren Sitz. In den ersten Jahrzehnten entwickelte sich das Unternehmen beständig und teilte sich schließlich nach dem 2. Weltkrieg in eine Pharma- (Dr. August Wolff) und Kosmetiksparte (Dr. Kurt Wolff) auf. Der größte Coup in der langen Firmengeschichte gelang Dr. Wolff in den 30er Jahren mit der Entwicklung von Alpencin, welches auch heute noch einen erheblichen Teil am Umsatz der Unternehmensgruppe hat. 

Im Bereich der Zahnpflegeprodukte hat der Konzern bereits eine bekannte Zahnpasta auf den Markt gebracht, die Dr. Wolff Biorepair*. Nun soll die neue Karex Zahncreme* nachfolgen.

 

Was soll’s bringen? > Marketing/Versprechen

Karen Test 02

In Sachen Marketing stapelt die Karex Zahncreme alles andere als tief: So behauptet das Unternehmen nicht weniger als die erste, wirksame Alternative zu Fluoriden entwickelt zu haben. Ihre Werbung beruht jedoch nicht nur darauf, die Vorteile ihres Produktes zu bewerben, sondern gleichfalls den Einsatz von Fluoriden in Zahnpasta generell in Frage zu stellen, gar davor zu warnen („Fluorid – erste Verbraucherschützer rufen nach Verbot“)

Die Reaktion der Fachgesellschaften ließ entsprechend nicht lange auf sich warten und so veröffentlichten die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ), die Deutsche Gesellschaft für Präventivzahnmedizin (DGPZM) und die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) eine gemeinsame Stellungnahme. Darin wird das Vorgehen von Karex, insbesondere bei Verbrauchern bewusst Ängste gegenüber Fluoriden zu schüren, stark kritisiert. Die Bedeutung von Fluoriden für die Kariesprophylaxe ist zu genüge und zweifelsfrei erwiesen – womit Fluoride wissenschaftlich die bedeutendsten Wirkstoffe in einer Zahnpasta (Stellungnahme BZÄK) darstellen.

Nachtrag 07.02.2018: Mit folgender großformatigen Anzeige antwortete Karex auf die Stellungnahme der Fachgesellschaften (hier). 

Kommen wir aber wieder zurück zum eigentlichen Produkt. Anstelle von Fluoriden, kombiniert Karex Hydroxylapatit mit Zink und Xylit, nennt dies einen Anti-Karies-Wirkkomplex. Dadurch soll die Karex Zahncreme einen wirksamen Schutz vor Karies bieten und als tägliche Zahncreme fungieren.

Ob sich die Behauptungen von Dr. Wolff tatsächlich bewahrheiten, wollen wir nun in unserem Karex Zahncreme Test untersuchen.

Die 75 ml Tube gibt es in Drogeriemärkten und auch bei Amazon* zu kaufen.

 

Wie sieht’s aus? > Verpackung

Karen Test 03

Die Zahncreme von Karex kommt mit Umverpackung daher und ist branchenüblich hygienisch zufriedenstellend versiegelt. So lässt sich mit der Außenseite des Deckels, ähnlich wie ein Schraubenschlüssel, die Kunststoffversiegelung entfernen. Ein Beipackzettel ist ebenfalls vorhanden. Dieser beinhaltet jedoch keine medizinischen Hinweise, sondern lediglich die weitere Produktpalette sowie eine kurze Skizzierung der Wirkweise der Zahnpasta.

Rein optisch ist die Karex Zahncreme relativ schlicht gestaltet, der Produktname ist in Großbuchstaben und kontrastreich platziert worden und nimmt den Großteil der Gestaltungsfläche ein. 

Karen Test 04

 

Was ist drin? > Inhaltsstoffe

Nach welchen Kriterien wir die Zahnpasten bewerten, erfahrt Ihr hier.


Im Folgenden sind die deklarierten Inhaltsstoffe der Karex Zahncreme mit ihren jeweiligen Funktionseigenschaften in Gänze dargestellt. Unterstrichene Inhaltsstoffe werden im anschließenden Abschnitt näher diskutiert.

Aqua, Lösungsmittel
Glycerin, Feuchthaltemittel
Hydrogenated Starch Hydrolysate, Modifizierte Stärke
Hydroxyapatite, Hauptbestandteil d. Zahnschmelz
Xylitol, (=Xylit) Zuckeraustauschstoff
Hydrated Silica,
Abrasionsstoff
Tetrapotassium Pyrophosphate, (=Natriumdiphosphat) Emulgator
Silica, Abrasionsstoff
Aroma**, Geruch-/Geschmacksstoff
Cellulose Gum, Viskösitätsregelnd
Sodium Methyl Cocoyl Taurate, Schaumbildner
Phosphoric Acid, Phosphorsäure
Sodium Cocoyl Glycinate, Tensid
Zinc Chloride, Zinkchlorid
Cetylpyridinium Chloride, Antiseptikum

** Enthält Menthol und Eucalyptol


Karen Test 05

Ein wichtiger und viel beworbener Bestandteil der Karex Zahncreme ist das Hydroxylapatit. Hydroxylapatit ist ein kristallines Mineral, dessen Hauptbestandteile Calcium und Phosphat sind. Entscheidend jedoch ist, dass der natürliche Zahnschmelz zu 95 % aus Hydroxylapatit besteht. Diese Zusammensetzung macht den Zahnschmelz zu dem härtesten Material in unserem Körper. Aufgrund dieser extremen Härte bietet der Zahnschmelz nicht nur einen mechanischen, sondern auch einen chemischen Schutz. Sinkt der pH-Wert jedoch unter 5,5, kann selbst der Zahnschmelz bzw. das enthaltene Hydroxylapatit demineralisiert werden und seine Schutzfunktion verlieren. Ziel einer effektiven Kariesprophylaxe ist es demnach, den Zahnschmelz wieder zu remineralisieren und zu stärken.

Diese Wirkung soll in der Karex Zahncreme das Hydroxylapatit übernehmen. Karex verwendet hier öfter das Stichwort „Biomimetik“, was im Prinzip das Zunutzemachen natürlicher Vorgaben bedeutet – in diesem Fall die Stärkung des Schmelzes durch seine natürlichen Bestandteile. Der Einsatz von Hydroxylapatit in Zahnpasta ist jedoch nichts Neues. So verwendet auch die ApaCare Zahncreme (Review) Hydroxylapatit als Inhaltsstoff und nennt es, ebenso werbewirksam, „flüssigen Zahnschmelz“. Ebenso baut die populäre BioRepair*, gleichfalls aus dem Hause Dr. Wolff, auf diese Beimischung (Genauer gesagt: Zink-Carbonat-Hydroxylapatit).

In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Studien betreffend der Wirksamkeit von Hydroxylapatitverbindungen durchgeführt. Klare Belege für dessen außerordentlichen Nutzen, konnten jedoch nicht festgestellt werden. Zwar wurde eine positive Wirkung auf die Zahnhartsubstanz unter Laborbedingungen bestätigt, unter realen Gegebenheiten mit den Widrigkeiten der Mundhöhle (Speichel, Bakterien) war der Effekt zwar immer noch meßbar, jedoch nicht signifikant. Einen anerkannten, wissenschaftlichen Nachweis, dass Hydroxylapatit als wirksamer Ersatz von Fluoriden anzusehen sei, gibt es derzeit nicht.

Aus Gründen der Kariesprophylaxe sollte die tägliche Zahncreme also nach wie vor Fluoride enthalten, nur in Ausnahmefällen kann auf eine fluoridfreie Variante zurückgegriffen werden (Stellungnahme BZÄK). Da die Karex Zahncreme jedoch keine Fluoride enthält, ist sie für die tägliche Zahnpflege nur eingeschränkt zu empfehlen. Insbesondere bei einem stark kariesaktiven Gebiss sollte daher auf die Karex Zahncreme, zumindest als Zahncreme für alle Tage, verzichtet werden.


Mehr Informationen über fluoridfreie Zahncreme? –
Hier gibt’s alles über Zahnpasta ohne Fluorid!


Xylit ist ein häufig eingesetzter Zuckeraustauschstoff, welchem eine antikariogene Wirkung zugesprochen wird. Eine Karies entsteht, vereinfacht gesagt, durch säureproduzierende Bakterien in der Mundhöhle. Insbesondere der Streptococcus mutans ist daran beteiligt. Entscheidend für die Wirksamkeit von Xylit ist nun die Tatsache, dass Xylit, im Gegensatz zu anderen Zuckern, nicht vom S. mutans verstoffwechselt werden kann. Dadurch kann das Bakterium keine schädlichen Säuren mehr produzieren, zudem nimmt dessen Population ab – das Kariesrisiko sinkt. Des Weiteren erwirkt Xylit einen Anstieg des pH-Werts – auch das vermindert das kariogene Potenzial des S. mutans. Somit ist Xylit als sinnvolle Beimischung in einer Zahncreme anzusehen.

Die Zinkverbindung in der Karex Zahncreme (Zinc Chloride) wirkt antibakteriell und ist somit ein sinnvoller Zusatz in jeder Zahnpasta. Sie wirkt effektiv gegen Zahnfleischentzündungen, Plaqueanlagerungen und etwaigen Mundgeruch. Es sollte jedoch beachtet werden, dass Zink nur in Zahnpasta für Erwachsene ratsam ist – Kinder sollten keine zinkhaltige Zahncreme verwenden! Hier gibt es zu dieser Thematik die Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung.

In der Karex sind zusätzlich Abrasionsstoffe enthalten, in diesem Fall amorphe Kieselsäure (Hydrated Silica). Durch diese Schleifpartikel werden Belege und oberflächliche Verfärbungen im Prinzip „weggeschmiergelt“ und die Zähne von Plaque befreit. Da jedoch die Abrasivität im unteren bis mittleren Bereich liegt, ist diese Zahncreme nicht sonderlich abtragend und kann auch bei freilegenden Zahnhälsen keine größere Schäden am Dentin (Zahnbein) anrichten, so dass hier keine Einschränkung gennant werden müssen.

 

Ausprobiert! > Unser Test

Karen Test 06

 

Kommen wir also nun zu unserem eigentlichen Karex Zahncreme Test.

Die Karex Zahnpasta hat eine sehr cremige Konsistenz, ist jedoch viskös genug um eine komplikationslose Applikation zu gewährleisten. Die Creme hat eine rein weiße Farbgebung und unterscheidet sich somit in diesem Punkt nicht von einer Standardzahncreme.

Olfaktorisch überwiegt in der Karex Zahncreme eindeutig das Mentholaroma – prinzipiell ein typischer Zahncremegeruch. Geschmacklich erscheint die Karex erstaunlich scharf, begleitet von einer leicht bitteren Note – die Schärfe lässt jedoch mit zunehmender Anwendungsdauer spürbar nach. Ein wirkliches Frischegefühl setzt während des Putzvorgangs nicht ein. Die Schaumwirkung der Karex Zahncreme ist insgesamt zufriedenstellend. Zu Beginn bildet sich ein recht feinporiger Schaum, der sich jedoch zusehends verflüssigt. 


Welche ist die beste Zahnpasta für mich? –
Hier geht’s zum Zahnpasta Test & Ratgeber!


Der Nachgang der Zahncreme ist dann wieder etwas spannender. Kurz nach Beendigung des Putzvorganges setzt erneut eine plötzliche Schärfe, vornehmlich auf der Zunge, ein. Zudem ist eine deutliche Geschmacksirritation spürbar – die auf der Zunge befindlichen Geschmacksknospen werden da ziemlich beansprucht. 

Insgesamt hinterlässt die Karex Zahncreme, mit Ausnahme der Zungenschärfe, ein positives Putzgefühl – ein übermäßig starker Abrieb ist jedenfalls nicht zu spüren, die Reinigungswirkung ist zufriedenstellend. Die kariesprohylaktischen Eigenschaften der Karex wurde im vorangegangenen Abschnitt Inhaltsstoffe bereits hinlänglich diskutiert.

 

Also? > Fazit 

Eine pauschale Empfehlung kann aufgrund der Inhaltsstoffe für die Karex Zahncreme nicht ausgesprochen werden. Prinzipiell ist die Zusammensetzung der Karex, bis auf den Fluoridverzicht, positiv zu bewerten – auf strittige Inhaltsstoffe wie Parabene, SLS oder Titandioxid wurde konsequent verzichtet. Der große Knackpunkt bleibt jedoch der Mangel an Fluoriden, welche für die Kariesprophylaxe nach wie vor essentiell sind.

Es ist zweifelsohne von großer Bedeutung, die zahnmedizinische Forschung und Entwicklung weiter voran zu treiben – dies schließt das Forschen nach Alternativen für die Kariesprophylaxe mit Fluoriden selbstverständlich mit ein. Dennoch darf ein wichtiger Baustein für die Zahngesundheit, und das sind Fluoride nun einmal, durch Marketing nicht in Mißkredit gebracht und Verbraucher verunsichert werden (siehe Werbeanzeige oben).

Sicher ist die Wirkung von Hydroxylapatit, Zink und Xylitol eine vielversprechende Kombination, dennoch sollte bei einem stark kariesaktivem Gebiss eine Zahnpasta mit Fluorid gegenüber der Karex Zahncreme bevorzugt werden.

 

In Kürze! > Zusammenfassung

Ohne Fluoride, ohne Sorbit, ohne Parabene, ohne SLS, ohne Titandioxid, vegan. Shop*


Geeignet für..

Tägliche Zahnpflege bei unproblematischen Zahnbefund
Veganer

Nicht geeignet für..
Kariesaktives Gebiss

 

>Jetzt die Karex online kaufen*<

 


>Mehr Zahnpasta ohne Fluoride<
>Mehr Zahnpasta mit Xylit<
>Mehr Zahnpasta mit Hydroxylapatit<
>Mehr Zahnpasta ohne Sorbit<
>Mehr Zahnpasta ohne SLS<
>Mehr Zahnpasta ohne Titandioxid<
>Mehr vegane Zahncreme<


Literatur:

  1. Hellwege K.-D.: Die Praxis der zahnmedizinische Prophylaxe. 6., überarb. Aufl., Stuttgart: Georg Thieme Verlag KG, 2003
  2. Hellwig E., Klimek J., Attin T.: Einführung in die Zahnerhaltung. 3., neu bearb. Aufl., München: Urban & Fischer, 2003 

 

Was gibt's noch? > Weitere Artikel